Erster deutscher Jodkongreß am 03.03.18 in Düsseldorf

Erster deutscher Jodkongreß am 03.03.18 in Düsseldorf
Erster deutscher Jodkongreß am 03.03.18 in Düsseldorf

Ein normaler schneeweißer Märztag in Düsseldorf – aber ein großer Tag für hoffentlich viele Menschen im ganzen Land, die schon bald vom neuen Wissen ihrer Therapeuten profitieren werden!
So wurde der erste deutsche Jodkongreß seinem historischen Anspruch durchaus gerecht. Unter der routiniert professionellen Federführung von Kyra Kauffmann trafen sich an diesem Samstag im Düsseldorfer Hotel Nikko diejenigen Therapeuten und Wissenschaftler, die bei uns wohl das derzeit größte Wissen über das Element Jod und seine Wirkung im und auf den Menschen haben.

In diesem Hotel habe ich schon einige Tagungen, Kurse und Kongresse erlebt, die meine Arbeit sehr bereichert haben. Die derzeit dort stattfindenden Umbau- und Renovierungsmaßnahmen wirkten gestern aber geradezu symbolisch für Umdenken und Modernisieren auch im therapeutischen Denken.

Über 150 Therapeuten, Wissenschaftler und Interessierte waren  dank der bereits im Vorfeld perfekten Organisation der Einladung zum Wissensaustausch gefolgt. Sie erwartete ein Reigen an hochkarätigen Vorträgen von denen, die zum Thema Jod wohl derzeit am meisten Wissenswertes zum Thema Jod zu sagen haben.

Die Tatsache, daß es in unseren Breiten den Menschen schon lange und heute noch genauso am lebenswichtigen Element Jod mangelt, ist inzwischen wohl unbestritten. Während die westliche Schulmedizin sich aber spätestens seit Einführung neuer gewinnträchtiger Behandlungsmöglichkeiten von der Jodgabe als ursächliche Behandlung eines Jodmangels abgewandt hat,  liegt es in der Hand weniger engagierter Wissenschaftler, Therapeuten und auch anderer interessierter Menschen, den gravierenden Folgen einer Jodunterversorgung ganzer Bevölkerungen entgegen zu wirken.

Hier spürte ich den deutlichen Unterschied zur amerikanischen „Jodbewegung“ um Lynne Farrow. Während in den USA Jod-Hochdosistherapien sehr plakativ schon fast als Allheilmittel propagiert werden, waren sich hier alle Vortragenden einig, daß wir noch große Wissenslücken haben, was die Rolle des Jods in all seinen chemischen Formen in unserem Organismus anbelangt. Und daß das alte Wissen, das die Menschheit aber schon lange um die therapeutische Anwendung von Jod hat, nicht länger durch die Ignoranz der Schulmedizin verdrängt bleiben darf. Es geht jetzt darum, aus alten und neuen Erkenntnissen leicht umsetzbare Empfehlungen und Behandlungsstrategien zu entwickeln, die es Therapeuten erlauben, ihren Patienten effektiv zu helfen und einen der „größten vermeidbaren“ Krankheitsfaktoren unserer Zeit zu beseitigen.

In einprägsamer Weise wurden uns beim Kongreß zunächst nochmal die massiven Auswirkungen des Jodmangels über Kropfbildung bis zum ausgeprägten Kretinismus vor Augen geführt, die einige Therapeuten sogar noch aus eigener Praxis kannten. Nachdenklich stimmten einen auch die Beispiele, die zeigten, daß in anderen Teilen der Welt teilweise mit einmaligen Jodgaben vielen Menschen viel Leid erspart wird. So war ein didaktisch hilfreicher roter Faden durch die vielfältigen Aspekte des Themas Jod gelegt, die nun folgten.

Auch wenn es eine der sicher wichtigsten Botschaften an die schulmedizinischen Ärzte sein muß, daß Jod eben nicht nur ein Exklusivelement der Schilddrüse ist, so spielt es natürlich dennoch eine Schlüsselrolle bei allen Schilddrüsenerkrankungen. Gerade deshalb waren der Vortrag und die immer wieder gern gegebenen, erklärenden Antworten vom renommierten Endokrinologen Prof. Dr. med. Roland Gärtner von der Uni München sicher eine der tragenden Säulen des vermittelten praktischen Wissens für alle Anwesenden. Die Differenzierung der verschiedenen Jodformen insbesondere von Jodid und elementaren Jodionen war ihm sehr wichtig. Der Organismus braucht beides, unterscheidet die Formen aber deutlich, was bei der Substitution eine entscheidende Rolle spielen muß. Darüber hinaus gilt es, den Hype um vermeintliche Hypothyreosen und Hashimoto-Erkrankungen etwas in geordnete Bahnen zu lenken, indem man sich klarmacht, was z.B. ein TSH-Wert in welcher Situation eigentlich pathophysiologisch aussagt oder eben gerade nicht.

In diesem Zusammenhang waren auch die Ausführungen vom Gynäkologen und Jod-Forscher Dr. med Elio Torremante zum Thema Schilddrüse, Jod und Schwangerschaft bemerkenswert. Er unterstrich unter anderem auch die elementare Bedeutung der Substitution von Jod, Folsäure und Omega-3-Fettsäuren ab bestehendem Kinderwunsch, da diese in den frühesten Stadien der Entwicklung des Nervensystems von elementarer Bedeutung sind.

Einen guten Überblick über die den derzeitigen Wissensstand um die Folgen eines Jodmangels gab uns die Biologin Frau Dr. rer. nat. Adriana Radler-Pohl. Sie sprach aus, was einem bei der Beschäftigung mit dem Thema Jod wohl immer wieder bitter aufstößt: Warum gibt es so wenige, die sich um den Jodmangel in unserer Bevölkerung kümmern, wo die verehrenden Folgen doch seit vielen Generationen bekannt sind?!

Zu den noch jungen und sehr spannenden Entdeckungen um die Funktionen von Jod im Gehirn konnte uns die Ernährungsmedizinerin Frau Dr. Bettina Hees noch weitere spannende Details berichten. Wichtige Aufgaben des Jods bestehen zum Beispiel in der Antioxidation von ungesättigten Fettsäuren innerhalb der der Zellen. Hier liegt wohl auch in der Demenz-Behandlung ein großes Potential, aus dem wir schnellst möglich praktischen Nutzen ziehen sollten. Als eine der weltweit führenden Algenforscherinnen berichtete Frau Dr. Hees ebenfalls über die unglaubliche Wirkung von Wakame-Algen auf die Brustkrebshäufigkeit bei Japanerinnen. Die Schutzwirkung ist wohl über eine vermehrte enterale Östrogenausscheidung gegeben.

Insgesamt wurde die wichtige Rolle des Jodmangels bei der Entstehung v.a. von Brust- und Prostatkrebs bestätigt. Hier gibt es auch wertvolle Ansätze für die Prävention!

Auch die Ernährungswissenschaftlerin Frau Ulrike Gonder gab wichtige Hinweise auf die Rolle von Jod im Hirnstoffwechsel und in der fetalen Entwicklung.

Angenehm viel mir die Tatsache auf, daß die Bedeutung der Behandlung eines Vitamin-D-Mangels unter allen Anwesenden wohl außer Zweifel stand. So konnte sich der Vitamin-D-Experte Prof. Dr. med. Jörg Spitz in seinem Vortrag auf die Wechselwirkung des Menschen mit seiner Umwelt konzentrieren. In seiner einzigartigen Eindrücklichkeit fasziniert er immer wieder, indem dem er mit dem hoffnungsvoll erhobenen Zeigefinger zur Vernunft aufruft. Dies brachte ihm auch in diesem Rahmen großen Beifall ein.

Dr. rer. nat. Jens Pohl rundete das Sprudeln des Wissensquell mit detaillierten Darstellungen zum Verständnis des „Transportwesen“ in die und aus der Zelle ab.

 

Forscher und Therapeuten aller Art haben auf diesem ersten Jod-Kongreß in Deutschland wirklich ein umfassendes Bild des Kenntnisstandes zum Thema Jodmangel, seiner verehrenden Folgen und daraus abzuleitender alter wie neuer therapeutischer Möglichkeiten gegeben und einen fruchtbaren Austausch angeregt.

Um so erstaunlicher fand ich es, daß ich als Mediziner scheinbar nur hier tatsächlich die neusten und wichtigsten Erkenntnisse um biochemische Vorgänge erfahre. Dagegen wirken „Ärztefortbildungen“ und die in der Medizinpresse verkauften Inhalte wie Märchenstunden aus einer längst vergangenen Zeit. Während die sog. Schulmedizin längst zu einem reinen Wirtschaftsunternehmen verkommen ist, muß man sich als Arzt sein Hintergrundwissen wohl künftig sehr aktiv bei denen suchen, denen es noch um die reine Erkenntnis, die Wissenschaft und vor allem um die Gesundheit der Menschen geht.

Während die Macher unseres Gesundheitssystems Leitlinien zur Vermarktung einfacher aber gewinnbringender Therapien generieren, sollten sich gerade Ärzte hier deutlich abgrenzen und wieder nach einer Identität jenseits des Verkaufsrummels suchen. Einer vielleicht teilweise bei vielen schon verlorengegangenen Identität als Helfer und Heiler mit der Gesundheit seines Patienten im Sinn.

Wer so denkt, war also beim Jod-Kongreß genau richtig. Kyra Kauffmann gelang es hervorragend die fruchtbare Spannung zwischen Vermittlung von brandaktuellem Grundlagenwissen durch die Referenten und der im Fachpublikum immer brodelnden Frage nach der praktischen Anwendung und handfesten Behandlungstipps zu jonglieren.  Auch wenn sie selbst sich nur zu einem kurzen, aber um so wertvolleren Exkurs zum „Rejodierungsprotokoll“ bei Hashimoto vortrug, konnte sie moderierend immer wieder die so wertvollen Praxistipps geben, die uns Therapeuten schon morgen in der Praxis weiterhelfen können.

Ich bin mir sicher, daß dieser Kongreß wie auch schon die Innoveutika im Herbst letzen Jahres in Saarbrücken die Keimzelle einer neuen Medizin ist, die wieder den Menschen und seine Gesundheit in den Mittelpunkt des Handelns stellt.

Ich wünsche mir auf diese gelungen Art noch viele weitere Kongresse, die zum so wichtigen Wissensaustausch zwischen denen dienen, die sich noch kümmern und engagieren.

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  1. Pingback: Jod - Mehr als nur Schilddrüse - myBODYSCIENCE

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